Wie weiter im Pfarrgarten Saxdorf? Von den Herausforderungen, einen Künstlergarten zu erhalten.

Dieser Text erscheint im Heft 3/2026 der Zeitschrift „Der Staudengarten“, herausgegeben von der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS). Gegenüber der Druckversion enthält die Onlinefassung zusätzliche Bilder.
Am 8. August 2026 findet zu diesem Thema ein „Saxdorfer Gartengespräch“ statt, welches der Kunst- und Kultursommer Saxdorf gemeinsam mit der GdS durchführt. Weitere Infos dazu unter diesem Link.

Der Saxdorfer Pfarrgarten ist unter Gartenfreunden als ganz besonderes Kleinod bekannt. Jahr für Jahr kommen Tausende Besucher nach Saxdorf, vor allem im späten Frühjahr und zur Rosenzeit im Frühsommer.

Seit den 1960er Jahren schuf der Künstler Hanspeter Bethke gemeinsam mit seinem Partner Karl-Heinrich Zahn in Saxdorf ein Lebenskunstwerk. Ein Garten mit überbordender Fülle, stets an der Grenze zur gestalteten Wildnis, voller seltener Gehölze, Stauden, Blumen und Kübelpflanzen. Der Garten, der viel größer wirkt, als er mit seinen etwa 4000 Quadratmetern tatsächlich misst, ist in viele Räume gegliedert. Diese Gartenräume, jeder mit seiner eigenen Charakteristik und geprägt von ganz besonderen Pflanzen, laden ein zum Umherwandeln und zum Verweilen an lauschigen Sitzplätzen.  Den Blick auf Augenhöhe dominieren Gehölze, vor allem die zahlreichen historischen und modernen Rosen, die dem Garten im Juni einen Blütenrausch bescheren. Aber auch viele weitere Gehölze, darunter viele prächtige Strauchpäonien, hohe Stauden und zahlreiche Arten und Sorten von Bambus prägen diese Etage des Gartens.  Darüber ist das Reich der hohen Gehölze, fast alles dendrologische Kostbarkeiten, Magnolien, Mammutbäume und vieles mehr. Auch Obstgehölze, teils sogar noch aus dem ursprünglichen Pfarrgarten, prägen den Gehölzbestand. Das Reich der Stauden bevölkert und strukturiert die unterste Schicht des Gartens, doch dazu später mehr.  Ein wesentlicher Bestandteil des Gartens sind unzählige Sandsteine, die als Säulen, Beetbegrenzung oder Pflanztröge dienen. Zahn und Bethke sammelten diese von den Schutthalden der Bauernhöfe – damals Bauschutt, heute prägendes Gestaltungselement im Saxdorfer Garten. Und noch etwas gehörte immer zum Saxdorfer Garten – Kunst und Kultur. Pleinairs, Feste, die Saxdorfer Sommermusiken und natürlich die Kunstwerke von Bethke zogen und ziehen seit Jahrzehnten viele Künstler und Kunstfreunde nach Saxdorf.  

Die Gründer des Gartens sind nun seit einigen Jahren verstorben (Bethke 2018, Zahn 2021). Ein engagierter Kreis aus Freunden und Freiwilligen kümmert sich unter dem Dach des Kunst- und Kultursommer Saxdorf e.V. um den Garten und den Saxdorfer Kulturbetrieb. Franz Heitzendorfer pflegt als in Teilzeit angestellter Gärtner gemeinsam mit ein bis zwei Assistenzen auf Minijob-Basis den Garten. So gelingt es, die Struktur des Gartens zu erhalten und den Garten in einem guten Zustand zu präsentieren. Ehrenamtliche helfen uns, an den Wochenenden Besucher zu betreuen, Pflanzen und Getränke zu verkaufen, den Garten zu beaufsichtigen sowie eine Ausstellung im Pfarrhaus und die schöne mittelalterliche Dorfkirche für Besucher zu öffnen. Mit vielen ausverkauften Veranstaltungen wie Konzerten und Lesungen halten wir die Kultur in Saxdorf auf einem hohen Niveau. Auch hier helfen Freiwillige dabei, Karten zu verkaufen sowie Kuchen und Getränke anzubieten. Saxdorf ist damit weiterhin ein wichtiger Ort von Kunst und Kultur in einer mit kulturellen Angeboten nicht gerade reich gesegneten Gegend.  Doch zunehmend wird uns bewusst, wie schwierig es ist, solch ein Gesamtkunstwerk zu erhalten, zumal wenn die gestaltende Kraft, deren Handschrift der Garten trägt, nicht mehr da ist. Auch wenn die Besucher, darunter viele Erstbesucher, noch immer begeistert sind, bemerken diejenigen, die den Garten lange kennen, eine deutliche Verarmung, die sich vor allem im Staudenbereich zeigt.

Vielleicht die größte Herausforderung für die Zukunft des Gartens sind die hohen Gehölze. Viel zu viele, viel zu dicht – wie wir es aus vielen Sammlergärten kennen. Bethke hat immer wieder beherzt gefällt und ausgelichtet. Wir tun uns schwer damit, denn praktisch alle hohen Gehölze sind kostbar und wertvoll, sie bergen Erinnerungen und sie prägen die Struktur des Gartens. Doch diese hohen Gehölze führen zu einer immer stärkeren Verschattung, worunter vor allem die sonnenliebenden Stauden leiden. Wer den Garten vor etwa 20 Jahren erlebt hat, weiß, dass er im Sommer voll war von üppig blühenden Agastachen, Phloxen, Ritterspornen, Sonnenbräuten, Sonnenhüten, Taglilien und vielen weiteren Hochsommerstauden. Dazwischen unzählige Sommerblumen, kleinblütige Tagetes, kleine rote Zinnien, gelbe Cosmeen und vieles mehr. Die Bilder zu diesem Beitrag illustrieren das wunderbar. Diese üppige Vielfalt ist nun deutlich reduziert bzw. nur noch punktuell erhalten. Dazu trägt sicher auch bei, dass die Gehölze sehr viel Wasser ziehen und damit die Bewässerung im Sommer zur Hauptaufgabe des Gärtners wird. Zum Glück hilft uns seit 2024 eine mit Fördermitteln des Landes Brandenburg errichtete Solaranlage, den Strom für die Pumpen zu erzeugen. Mit Unterstützung der GdS konnte zudem ein Beet mit Förster-Phloxen mit einer Tropf-Bewässerung versehen werden.

Eine weitere Herausforderung sind die Pflegekapazitäten. Dank Franz Heitzendorfer sind die zahlreichen Rosen und weitere Gehölze der mittleren Schicht in bestem Zustand. Doch die Pflegekapazitäten reichen nicht, auch dem Staudenbestand adäquate Pflege angedeihen zu lassen. Die Frühblüher stört das nicht groß. Noch immer ist der Garten ab Ende Januar bis in den April bedeckt mit üppigen Teppichen von Schneeglöckchen, Winterlingen, Elfenkrokussen und Märzenbechern. Es blühen unzählige Lenzrosen in allen Farben. In einem schattigen Bereich am Wegrand wachsen und blühen große Bestände an Alpenveilchen (coum wie hederifolium). Galanthus nivalis und elwesii haben sich hier über Jahrzehnte munter gekreuzt. Man könnte hier unzählige Sorten benennen, die sich in Saxdorf gebildet haben, neben den vielen, die bewusst gepflanzt wurden. Später folgen Teppiche mit Scilla, Lerchenspornen, Scharbockskräutern und vielem mehr.  Es gibt wohl nur wenige Gärten mit einem derart beindruckenden Bestand an Frühblühern. Im April folgt die Zeit der Schattenstauden, doch hier sehen wir schon, dass vor allem die Preziosen unter Ihnen, wie etwa die Waldlilien, zunehmend verdrängt oder von stärker Wüchsigem überwachsen werden. Diese Verdrängung durch Starkwüchsiges sehen wir später auch im Bereich der Sommer- und Herbststauden. Während im späten Frühjahr üppig blühende Strauchpäonien, Azaleen, Rhododendren, Magnolien und viele weitere blühende Gehölze sowie später dann der Blütenrausch der Rosen, den Makel überdecken, wird das Defizit im Staudenbereich in Sommer und Herbst offensichtlich – bis dann im Oktober die Herbstfärbung der Gehölze die Blicke auf sich zieht.  Im Winter wiederum zeigen sich die Strukturen des Gartens deutlich, Gehölze, Formschnittgehölze und Bambus setzen Akzente. Wintergrüne Stauden wie Farne oder Arten von Helleborus kommen nun wieder zur Geltung.

Es gibt eine Reihe weiterer Herausforderungen in Saxdorf. So sind etwa die zahlreichen Bambusse zwar wunderschön anzusehen, bedürfen aber hohen Pflegeaufwands, um zu vermeiden, dass sie ganze Gartenpartien überwuchern. Dort wo Wurzelsperren verbaut wurden, hat der Bambus diese längst überwunden. Das Beet mit Kakteen und Sukkulenten ist ebenso einerseits ein Hingucker – gleichzeitig aber auch mit hohem Aufwand beim jährlichen Ein- und Ausräumen verbunden. Der nach dem Ableben Bethkes neu gestaltete Eingangsbereich, der den früher verborgenen Haupteingang des Pfarrhauses wieder in den Mittelpunkt rückt, ist sehr ansprechend. Hof und Eingangsbereich laden zum Verweilen ein und werden von Besuchern gern genutzt. Jedoch erweist sich der angrenzend eingerichtete Pflanzenverkauf als zu schattig, besonders für unsere Rosen. Stauden und Rosen im Verkauf sind eine wertvolle Einnahmequelle für den Verein – die stetige Vermehrung und Bereitstellung eines adäquaten Pflanzenangebotes ist jedoch schwierig für uns.

Noch ist der Garten vielfältig und spannend. Und auch in früheren Jahren gab es Höhen und Tiefen. Noch immer bezaubern viele Farne im Schattenreich mit herrlichen Blattstrukturen. Auch die Blätter der Lenzrosen und etlicher anderer Stauden geben dem Garten im Sommer Struktur. Doch in einigen Beeten macht sich am Boden zunehmend ein strukturloses Einerlei aus wuchernden Storchschnäbeln, Akelei und Herbstastern breit. Die oben genannten Sommerstauden leiden unter Verschattung und Trockenheit und ziehen sich zurück. Prägend im Spätsommer und Herbst sind nun Faden- und Kerzenknöteriche und die verbleibenden wüchsigen Herbstastern. Von deren Farbvielfalt ist nicht mehr viel übrig, genauso wenig wie von den einst üppigen Beständen an Chrysanthemen, die bis weit in den November Farbe in den Garten brachten.  Uns fehlen die Kapazitäten, das Wuchern durch Pflege unter Kontrolle zu bringen. Versuche, ungelernte Hilfskräfte unter gärtnerischer Anleitung für die Staudenpflege einzusetzen, haben sich als Fehlschlag erwiesen. Vor allem aber fehlt uns allen die Gestaltungskompetenz, Neues so einzubringen, dass es der Gestaltung des Bethke-Gartens angemessen ist. 

Zunehmend wird uns klar, dass die anfangs vorhandene Vorstellung, den Garten konservieren zu können, nicht mehr haltbar ist. Gärten entwickeln und verändern sich. Es wird also nötig, einzugreifen und neu zu gestalten. Wir können die Verschattung als Chance verstehen und – wie in vielen anderen reifen Gärten – mit Schattenstauden abwechslungsreiche Beete gestalten. Doch wie kann das gelingen, wenn personelle und finanzielle Kapazitäten für die Umgestaltung wie auch die spätere Pflege fehlen?  In den Bestand an Rosen möchten wir möglichst nicht eingreifen, denn die üppige Rosenblüte, die überraschenderweise wenig unter der Verschattung leidet, ist der Höhepunkt des Gartenjahrs – und der Besucherströme! Sehr wohl aber haben sich viele Sämlinge von Rosen und Gehölzen breit gemacht, von denen ein guter Teil entfernt werden kann, um Platz für Neues zu schaffen. Diese Betrachtung macht auch deutlich, dass es immer darum gehen muss, weitestgehend im Bestand zu arbeiten und behutsam neu zu gestalten. 

Auch die Sonnenstauden sind weiterhin wichtig im Saxdorfer Garten und sollen wieder sichtbarer werden. Es gilt also, geeignete Bereiche zu identifizieren und auch langfristig sonnig zu halten, wie etwa den sogenannten ehemaligen Kräutergarten im nordwestlichen Teil des Gartens.  Hier bietet es sich sogar an, eine größere Fläche zu überarbeiten. Einige prägende und erhaltenswerte Pflanzen sind entlang der Wege am Kräutergarten konzentriert, die hinteren Bereiche sind inzwischen ein Durcheinander aus Rosensämlingen, Beerenobst, Kräutern und einigen verbliebenen Phloxen und Sonnenbräuten zwischen denen allerlei wuchert. Wie könnte dort eine künftige, durch blühende Stauden geprägte Gartenpartie entstehen, die für Besucher in den Sommermonaten attraktiv ist, jedoch nicht als Fremdkörper im Saxdorfer Garten wirkt?

Überlegungen dazu gibt es im Verein und Freundeskreis viele. Doch immer wieder kommen wir an den Punkt, dass niemand von uns Kapazität und Kompetenz hat, derartige Umgestaltungen voranzutreiben. Zudem steht über allem die Herausforderung eines begrenzten Budgets. Der Verein kann Pflege im bisherigen Umfang nur mit großen Anstrengungen finanzieren. Es gelingt uns zudem in der Region kaum, Freiwillige zu finden, die kontinuierlich und ehrenamtlich an der Pflege mitwirken können. Der anspruchsvolle Pflanzenbestand ist sicher auch eine hohe Hürde für ehrenamtliche Unterstützung, denn Pflegefehler können schnell erheblichen Schaden anrichten. Es bedarf also entweder engmaschiger Betreuung Ehrenamtlicher, die dann wieder die Kapazität des Gärtners bindet oder aber einer hohen Kompetenz der Ehrenamtlichen. Wir sehen sehr wohl, an vielen Beispielen, dass anderswo derartige Unterstützerstrukturen gut funktionieren und fragen uns, ob es auch in Saxdorf gelingen kann, ein ehrenamtliches Helfernetzwerk für den Garten aufzubauen.

In seiner Gesamtheit ist der Saxdorfer Garten aktuell noch einzigartig. Es ist klar, dass jetzt gehandelt werden muss. Verein und Freundeskreis sind zuversichtlich und voller Tatendrang.  Doch ohne Unterstützung von Expertinnen und Experten kommen wir nicht weiter.

Bei einem Workshop mit der GdS in Saxdorf wollen wir deshalb gemeinsam herausfinden, was genau macht den Saxdorfer Garten so besonders? Wie können wir den Garten in dieser Form erhalten und weiterentwickeln? Um diese Fragen zu beantworten, benötigen wir den Blick von außen. Nach einer Führung durch den Garten untersuchen wir in kleinen Gruppen einzelne Bete näher. Danach wollen wir diskutieren, wo Eingriffe am nötigsten sind und gemeinsam Ideen entwickeln, wie wir dort wieder einen vielfältigen und ganzjährig spannenden Staudenbestand aufbauen können – trotz geringem Budget für die Pflege. Zudem wollen wir mögliche Konzepte für eine künftige Pflege und Entwicklung durch kompetente Ehrenamtliche, wie etwa Beetpatenschaften, analysieren. Wir freuen uns dabei auf Unterstützung aus der GdS, von Laien wie Profis, Machern wie Planern. Dafür möchten wir bereits jetzt danken.